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In der Filmografie von Kurt Kren lese ich: 1971 25/71 Klemmer und Klemmer verlassen die Welt; 16mm stumm; Aktion beim Begräbnis von Robert Klemmer

Mittwoch 6.August 1997.
Ich gehe zum Cafe Jelinek, wo ich Kurt nach dem Mittagessen abhole. Gemeinsam gehen wir die Otto Bauergasse hinauf zur Mariahilferstrasse, um mit der U-Bahn Richtung Innere Stadt zu fahren. Kurt will mir im Cafe Alt Wien ein Bild des Malers Robert Klemmer zeigen. „Der Schlüssel zum Filmtitel" sagt er. Ob Robert Klemmer sein Freund gewesen sei - möchte ich wissen. Mehr ein Saufkumpan meint Kurt, aus dem Cafe Sport. 33 jährig stirbt Robert Klemmer in der Badwanne, erstickt an den Abgasen aus dem Durchlauferhitzer, in dessen Abzug ein Ziegelstein gefallen war. Im Alt Wien zeigt mir Kurt das Gemälde. Rechts vom Eingang, der Bar gegenüber, hoch oben, vergilbt vom Zigarettenrauch bildet es mit der gelbbraunen Wand eine diffuse Einheit. Das Bild zeigt Kurt Kalb den Szenewirt, und neben ihm Robert Klemmer selbst, vor dem Hintergrund einer nächtlichen Stadtkulisse. Er hätte sich immer in seine Bilder selbst hineingemalt - erzählt Kurt. Berühmt sei er nicht gewesen. Ein Ehrengrab hätte er auch nicht bekommen, obwohl sich der Malerfreund Peinitz dafür eingesetzt hätte. Ich schlage vor das Grab von Robert Klemmer aufzusuchen. Kurt erinnert sich nicht mehr auf welchem Friedhof er begraben wurde. Hügelig sei er gewesen. Nach mehreren Telefonaten kristallisiert sich der Hernalser Friedhof heraus. Wir brechen auf.
Bei der Friedhofsverwaltung erfahren wir jedoch - hier liegt er nicht. Vielleicht am Dornbacher Friedhof, ein Kilometer weiter. Als ich die Kasette wechsle, meint Kurt ich sei ein Optimist.
Vorm Eingang der Verwaltung am Dornbacher Friedhof steht eine Satellitenantenne. Kurt kichert. Die Informationen hat allerdings die Friedhofsgärtnerei.
Da läuft der Computer noch. Ja hier sind wir Richtig. 42 - 5 -3 steht auf dem Zettel den ich erhalte. Gruppe 42, fünfte Reihe, drittes Grab.
Hier, vor 26 Jahren, ging Kurt Kren hinter seinem toten Freund Robert.
Kurt filmt. Plötzlich bleibt der Film in der Kamera stecken. Am offenen Grab reißt er ihn heraus, und wirft ihn auf den Sargdeckel. So verlassen Klemmer und Klemmer die Welt.
Sein letzter Weg wurde von Kurt solange auf Film festgehalten, bis das Laufwerk der Kamera stehen blieb. Manchmal bei Todesfällen sollen ja auch die Uhren im Haus stehen bleiben.
Der gemalte Doppelgänger auf den Bildern des Lebenden, wurde ein gefilmter Doppelgänger des abgelichteten Toten.
Ich hätte auch nicht geglaubt daß ich zwanzig oder dreißig werde, meint Kurt, später hat ers dann aufgegeben. Früher sei er gern auf Friedhöfen herumgegangen, sagt er - aber jetzt ist man eh schon so nah drann.

Bernhard Sallmann "Diagonale" in: Filmforum / Berlin, Heft Nr.17, Mai/Juni 1999

Konzept, Realisation, Kamera, Ton Schnitt
Gustav Deutsch

Darsteller
Kurt Kren

Vertrieb / Verleih
Gustav Deutsch