FOTOS
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LICHT|BILD|REALITÄT– Atlas

Eine Sammlung von Bildern zum Thema Licht, aus den unterschiedlichsten Gebieten der Kunst- und Wissenschaftsgeschichte, zusammen mit eigenen digitalen Fotografien, beleuchtet die Beziehung von Wirklichkeit und Abbild. Sämtliche Bilder sind in einer digitalen Bildbank kategorisiert und werden auf CD-ROM zugänglich gemacht. Eine Auswahl der Bilder wird in Form von Computerprints, thematisch und assoziativ arrangiert, auf zehn Leuchttischen präsentiert. Die Arbeit ist Abi Warburgs Bilderatlas MNEMOSYNE gewidmet.

Präsentationen im Rahmen der Aegina Akademie 2003, im Museo Laografico in Aegina / Griechenland, und im Lentos - Museum zeitgenössischer Kunst / Linz, 2004.

"Der echte Phänomenologe ist es sich schuldig, in systematischer Weise bescheiden zu sein." (Gaston Bachelard)

Eine Phänomenologie des Lichtbilds, seiner unterschiedlichen "Erscheinungsformen" und deren Beziehung zur Realität haben Hanna Schimek und Gustav Deutsch mit ihrem Atlas unternommen. Es geht dabei nicht nur um Lichtbilder im engeren Sinn eines Vorgangs der Belichtung, wie ihn die klassische Fotografie voraussetzt: Angeordnet auf zehn Leuchttischen finden sich hunderte Abbildungen in einheitlichem Format. Eigens hergestellte und "gefundene" Fotos treten so in Beziehung zu historischen Gemälden, die jeweils auf ihre Art ums Licht kreisen, und zu jenen Maschinenbildern aus dem Wissenschaftsbetrieb, die jüngere Aufzeichnungstechniken ins Spiel bringen.
Zehn weitgehend technische Begriffe - Brechung, Projektion, Reflexion, etc. - haben Auswahl und Zusammenstellung angeleitet, einen "bestimmten Blick" oder, wenn man so will, einen Filter, vorgegeben. Dieser gegebene Rahmen ermöglicht assoziative Freiheit. Er gibt Bewegungsspielraum zwischen den Bildern und erlaubt einen gemessenen Schritt zurück hinter die Bildproduktion zeitgenössischer Massenmedien. Der Atlas entwickelt in der Betrachtung seine eigene Poesie. Ein Thema greift ins andere über, weitere Verknüpfungen werden denk- und sichtbar - im Hintergrund des Projekts lagert, als offene Referenz oder Vor-Bild, Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne, benannt nach der Muse der Erinnerung (und von der Muse der Erinnerung ist es nicht mehr weit zum Träumen/ to muse).

Der Himmel erscheint als kulturell besetztes, künstliches Firmament oder taucht aus dem Hinterhalt der PC-Benutzeroberfläche als Bildschirmschoner auf. Pflanzengrün und impressionistische Lichtexperimente lassen an die Photosynthese denken. Vom Kerzenlicht führt ein Gedankengang zum Wärmebild. Farbdominante und Intensität ändern sich je nach Tisch. Man sieht Schattenwerfer und Lichtgestalten. Da und dort haben sich Schimek und Deutsch selber dezent als Akteure eingebracht. Künstliches Licht generiert allmählich neue Atmosphären. Ein Fernsehschirm fungiert mitten unter anderen "Fenstern zur Welt" als bloße Oberfläche, in der sich Innenräume spiegeln ...

Der Atlas erscheint somit als eine genau montierte und dennoch offene Sammlung, entwickelt aus der konzentrierten Anschauung, entlang ästhetischer, kultureller, technischer oder wissenschaftlicher Vorgaben - und in über 1.000 Beispielen wiederum anschaulich gemacht.
(Isabella Reicher)